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Diagnostik

Gesundenuntersuchung in Österreich: was gemacht wird und was fehlt

Von Martin Höllinger· Stand · Lesezeit 11 Minuten

Die Gesundenuntersuchung heißt offiziell Vorsorgeuntersuchung oder Gesundheits-Check. Sie steht allen ab 18 mit Wohnsitz in Österreich einmal im Jahr kostenlos zu, auch ohne Krankenversicherung. Enthalten sind ein Fragebogen, eine körperliche Untersuchung mit Blutdruck und Body-Mass-Index, ein Harnstreifentest und eine Blutabnahme mit Blutzucker, Cholesterin, Triglyzeriden und Gamma-GT. Frauen erhalten zusätzlich ein rotes Blutbild.

Je nach Alter und Geschlecht kommen Krebsfrüherkennung, Zahnfleischkontrolle sowie Hör- und Sehtest dazu. Nicht enthalten sind EKG, Nierenwert, Langzeit-Blutzucker und Zusatzwerte wie ApoB und Lipoprotein(a). Blutzucker und Blutfette, die auch für die Longevity-Medizin zählen, gehören dagegen zum Programm. Ein EKG kostet als Wunschleistung laut Tarif der Ärztekammer Salzburg 38 Euro, ein Nierenwert 9 Euro.

Wer Anspruch hat und wohin man geht

Anspruch haben alle Personen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr mit Wohnsitz in Österreich, einmal jährlich. Die Kosten trägt die Sozialversicherung. Für Nichtversicherte übernimmt sie die örtlich zuständige Landesstelle der Österreichischen Gesundheitskasse; nötig ist ein e-card-Ersatzbeleg, den es mit dem Meldezettel in einem Kundencenter gibt.

Durchgeführt wird die Untersuchung nur von Ärztinnen und Ärzten mit einem eigenen Vertrag dafür. Das sind laut Gesundheitsportal Allgemeinmediziner sowie Fachärzte für Innere Medizin und für Lungenheilkunde. Dazu kommen die Gesundheitszentren der Kassen. Die ÖGK führt eigene Zentren in Graz, Klagenfurt, Linz und an vier Standorten in Wien.

Mitzubringen sind die e-card, frühere Befunde, der Arztbrief der letzten Vorsorgeuntersuchung und eine Liste der regelmäßig eingenommenen Medikamente.

Der Ablauf in zwei Terminen

In der Ordination sind meistens zwei Termine nötig. Beim ersten wird Blut abgenommen und mit der Harnprobe ins Labor geschickt. Beim zweiten folgen die übrigen Untersuchungen und die Besprechung. Wo ein eigenes Labor im Haus ist, reicht oft ein Termin.

Zur Blutabnahme kommt man nüchtern: acht bis zwölf Stunden vorher nichts essen, nur Wasser trinken, nicht rauchen.

Baustein Was geschieht
Fragebogen Beschwerden, frühere Erkrankungen, Erkrankungen in der Familie, Medikamente, Lebensgewohnheiten. Ein eigener Alkoholfragebogen ist freiwillig
Körperliche Untersuchung Haut, Schilddrüse und Lymphknoten abtasten, Herz und Lunge abhören, Bauch abtasten, Gelenke und Wirbelsäule, Pulse an Armen und Beinen
Blutdruck und BMI Blutdruckmessung, Größe und Gewicht
Blut Blutzucker, Cholesterin, Triglyzeride, Gamma-GT; bei Frauen rotes Blutbild
Harn Streifentest auf Leukozyten, Eiweiß, Glukose, Nitrit, Urobilinogen und Blut
Zahnfleisch Einschätzung des Risikos für Parodontitis
Abschlussgespräch Besprechung der Ergebnisse, persönliches Risikoprofil für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arztbrief mit allen Werten

Der Tarif der ÖGK führt beim Cholesterin Gesamt- und HDL-Cholesterin getrennt an. Für die gesamte Untersuchung erhält die Ordination 110 Euro, ohne rotes Blutbild 107,70 Euro.

Was nach Alter und Geschlecht dazukommt

Untersuchung Für wen Abstand
PAP-Abstrich Frauen ab 18 empfohlen bei der Vorsorgeuntersuchung
Mammografie Frauen von 45 bis 74 mit Einladung; von 40 bis 44 und ab 75 auf Wunsch alle zwei Jahre
Stuhltest auf verborgenes Blut alle ab 45 alle zwei Jahre
Darmspiegelung alle ab 45, mit Überweisung alle zehn Jahre
PSA-Test Männer von 50 bis 69, auf Wunsch nach Aufklärung je nach Wert alle ein bis vier Jahre
Hör- und Sehtest alle ab 65 bei der Vorsorgeuntersuchung

Die Altersgrenze für die Darmkrebs-Früherkennung liegt bei 45 Jahren; ältere Unterlagen nennen noch 50. Für die Mammografie braucht es keine ärztliche Zuweisung. Es genügt die e-card, sobald sie für das Früherkennungsprogramm freigeschaltet ist. Die Serviceline dafür hat die Nummer 0800 500 181.

Beim PSA-Test ist die Sozialversicherung zurückhaltend. Auf ihrer Seite zur Prostatakrebs-Früherkennung steht, dass insgesamt gleich viele Männer versterben, ob sie den Test machen oder nicht, dass er aber die Rate fortschreitender Prostatakrebserkrankungen deutlich senken kann. Gemeint ist die Sterblichkeit insgesamt, aus allen Ursachen. Als Nachteil nennt die Seite, dass ein erhöhter Wert zu weiteren Untersuchungen und Behandlungen führen kann, bei denen Komplikationen wie Blutungen oder Infektionen möglich sind. Die Entscheidung bleibt deshalb eine persönliche nach dem Aufklärungsgespräch. Unter 50 wird er ohne Beschwerden und ohne familiäres Risiko nicht empfohlen. Nach dem ersten Wert richtet sich der Abstand: unter 1 ng/ml alle vier Jahre, zwischen 1 und 2 alle zwei Jahre, darüber jährlich.

Was die Untersuchung nicht enthält

Das Programm ist auf wenige Werte beschränkt. Für alles Weitere sind drei Fälle zu unterscheiden:

  • Vorsorgeuntersuchung: der feste Umfang, kostenlos.
  • Medizinisch begründete Abklärung: Ergibt sich aus Beschwerden, Befunden oder der Familiengeschichte eine konkrete Frage, kann die Ärztin oder der Arzt weitere Untersuchungen im normalen Kassenweg veranlassen. Ob das im Einzelfall zutrifft, entscheidet sich in der Ordination.
  • Wunschleistung ohne Anlass: Wer ohne medizinische Begründung mehr messen lassen will, zahlt selbst.

Für den dritten Fall hat die Ärztekammer für Salzburg Sondertarife veröffentlicht und hält ausdrücklich fest, dass diese Wunschleistungen nicht mit der Kasse abgerechnet und auch nicht nachträglich eingereicht werden können.

Nicht im Programm Was es zeigt Tarif Salzburg
EKG Herzrhythmus, Hinweise auf Durchblutungsstörungen 38 €
Nierenfunktion (Kreatinin) Filterleistung der Nieren 9 €
GPT zweiter Leberwert neben Gamma-GT 9 €
Harnsäure Gichtrisiko 9 €
Großes Blutbild rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen 14 €
Lungenfunktion (Spirometrie) Atemvolumen und Atemfluss 40 €
Belastungs-EKG Herz unter Belastung, körperliche Leistungsfähigkeit 106 €
Ultraschall der Halsschlagadern Engstellen 60 €
Herzultraschall Pumpleistung, Herzklappen 135 €
Ultraschall Bauch und Nieren Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse, Nieren 147 €

Die Tarife gelten für Salzburger Hausärzte und für privat gewünschte Untersuchungen. Sie sind ein Anhaltspunkt für andere Bundesländer, keine Preisliste, und sie sagen nichts darüber, was die Kasse bei medizinischem Anlass übernimmt.

Ebenfalls nicht enthalten sind vier Zusatzwerte, die in der Longevity-Medizin oft genannt werden: ApoB, Lipoprotein(a), der Langzeit-Blutzucker HbA1c und das hochsensitive CRP. Was sie aussagen und was sie privat kosten, steht unter Blutwerte für Longevity. Aus den Werten der Vorsorgeuntersuchung lässt sich immerhin das Non-HDL-Cholesterin selbst berechnen: Gesamtcholesterin minus HDL-Cholesterin.

Das Belastungs-EKG ist die einzige Position der Liste, die etwas über die Ausdauerleistung sagt. Welches Gewicht die Fitness für die Lebenserwartung hat, zeigen die Zahlen unter Longevity.

Was der Check bringt und was nicht

Ob allgemeine Gesundheits-Checks das Leben verlängern, ist untersucht. Die Cochrane-Übersicht von 2019 fasst 17 kontrollierte Studien zusammen, von denen 15 mit 251.891 Teilnehmern Ergebnisse lieferten. Menschen, die per Los zu Gesundheits-Checks eingeladen wurden, starben insgesamt gleich häufig wie jene ohne Einladung (Risikoverhältnis 1,00). Auch bei den Todesfällen durch Krebs (1,01) sowie durch Herz und Kreislauf (1,05) zeigte sich kein Unterschied. Die Autoren halten einen Nutzen allgemeiner Checks für unwahrscheinlich.

Die Studien prüften Checks als Paket: Untersuchungen auf mehr als eine Krankheit in mehr als einem Organsystem. Über einzelne Bausteine sagt das Ergebnis nichts. Für den Gebärmutterhalskrebs nennt die Sozialversicherung einen Rückgang der Sterblichkeit um zwei Drittel in 50 Jahren.

Für die eigene Untersuchung folgt daraus: Der Nutzen entsteht nicht durch das Messen, sondern durch das, was danach geschieht. Ein Blutdruck, der erhöht ist und behandelt wird, ein Blutzucker, der zum Anlass für mehr Bewegung wird, eine Darmspiegelung mit 45. Wer den Arztbrief aufhebt, hat außerdem Vergleichswerte. Daran lässt sich bei der nächsten Untersuchung ablesen, ob sich ein Wert verändert hat.

So holen Sie mehr heraus

  1. Den Arztbrief mitnehmen und aufheben. Er enthält alle Messwerte. Die Sozialversicherung empfiehlt selbst, ihn zur nächsten Untersuchung mitzubringen.
  2. Nach dem HDL-Cholesterin fragen. Mit Gesamt- und HDL-Wert lässt sich das Non-HDL-Cholesterin berechnen.
  3. Blutdruck zu Hause nachmessen, wenn der Wert in der Ordination erhöht war. Das Gesundheitsportal nennt die Selbstmessung ausdrücklich als Möglichkeit.
  4. Zusatzwerte gezielt wählen. Ein Nierenwert um 9 Euro oder ein einmaliges Lipoprotein(a) sind günstiger und besser begründet als ein großes Paket.
  5. Altersgrenzen kennen. Stuhltest und Darmspiegelung ab 45, Mammografie ab 45 mit Einladung und ab 40 auf Wunsch.

Studienlage

Ergebnis Wer und wie viele Vergleich Dauer Gemessen Studientyp Quelle
Gesamtsterblichkeit: 1,00 (0,97 bis 1,03). Wenig bis kein Effekt 233.298 Erwachsene in 11 Studien, 21.535 Todesfälle; nicht nach Krankheit oder Risiko ausgewählt allgemeiner Gesundheits-Check gegen keinen Check je nach Studie Tod aus jeder Ursache Cochrane-Review randomisierter Studien, Belege hoher Sicherheit Krogsbøll et al. 2019
Krebssterblichkeit: 1,01 (0,92 bis 1,12) 139.290 Erwachsene in 8 Studien, 3.663 Todesfälle allgemeiner Gesundheits-Check gegen keinen Check je nach Studie Tod durch Krebs Cochrane-Review, Belege hoher Sicherheit Krogsbøll et al. 2019
Herz-Kreislauf-Sterblichkeit: 1,05 (0,94 bis 1,16). Wahrscheinlich wenig bis kein Effekt 170.227 Erwachsene in 9 Studien, 6.237 Todesfälle allgemeiner Gesundheits-Check gegen keinen Check je nach Studie Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankung; Einzelstudien uneinheitlich Cochrane-Review, Belege mäßiger Sicherheit Krogsbøll et al. 2019
Herzinfarkt und andere Durchblutungsstörungen des Herzens: 0,98 (0,94 bis 1,03). Schlaganfall: 1,05 (0,95 bis 1,17) 164.881 Erwachsene in 4 Studien und 107.421 in 3 Studien allgemeiner Gesundheits-Check gegen keinen Check je nach Studie Erkrankungen, tödlich und nicht tödlich Cochrane-Review, Belege hoher und mäßiger Sicherheit Krogsbøll et al. 2019

In Klammern steht, wo angegeben, das 95-%-Konfidenzintervall.

Österreich

Anspruch: ab 18, Wohnsitz in Österreich, einmal jährlich, kostenlos, auch ohne Versicherung.

Auskunft: Serviceline der Sozialversicherung 0800 501 522, Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr, oder vu@sozialversicherung.at.

Wien: Die Stadt führt ein eigenes Gesundheitsvorsorgezentrum in der Erdbergstraße 135 im 3. Bezirk. Blutabnahme und Befundbesprechung finden dort an zwei Tagen statt.

Selbständige: Die SVS zahlt bis zu 100 Euro im Jahr für Gesundheitsangebote zu Ernährung, Bewegung, mentaler Gesundheit, Körperarbeit und Rauchfreiheit. Voraussetzung ist eine Vorsorgeuntersuchung in den letzten drei Jahren, ab 40 in den letzten zwei.

Einladung: Die ÖGK verschickt jährlich Einladungen, bevorzugt an Menschen, die noch nie oder lange nicht bei der Untersuchung waren. Einen Termin bekommt man auch ohne Einladung.

Häufige Fragen

Was wird bei einer Gesundenuntersuchung gemacht?

Ein Fragebogen zur Krankengeschichte und zum Lebensstil, eine körperliche Untersuchung mit Blutdruckmessung und Body-Mass-Index, ein Harnstreifentest, eine Blutabnahme und ein Abschlussgespräch mit Arztbrief. Im Blut werden Blutzucker, Cholesterin, Triglyzeride und Gamma-GT bestimmt, bei Frauen zusätzlich das rote Blutbild. Je nach Alter kommen Krebsfrüherkennung, Zahnfleischkontrolle sowie Hör- und Sehtest dazu.

Was kostet die Gesundenuntersuchung in Österreich?

Nichts. Die Sozialversicherung übernimmt die Kosten einmal im Jahr für alle ab 18 mit Wohnsitz in Österreich. Wer nicht versichert ist, holt mit dem Meldezettel in einem Kundencenter der Sozialversicherung einen e-card-Ersatzbeleg für die Vorsorgeuntersuchung. Kosten entstehen nur für Wunschleistungen außerhalb des Programms.

Muss man zur Gesundenuntersuchung nüchtern kommen?

Ja, zur Blutabnahme. Nüchtern heißt nach Angaben der Sozialversicherung: acht bis zwölf Stunden vorher nichts essen, nichts außer Wasser trinken und nicht rauchen.

Wie oft kann man zur Gesundenuntersuchung gehen?

Einmal im Jahr. Die Österreichische Gesundheitskasse formuliert es so: wenn in den letzten 365 Tagen keine Vorsorgeuntersuchung stattgefunden hat.

Wo kann man die Gesundenuntersuchung machen?

Bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten mit Vorsorgeuntersuchungs-Vertrag, meist in der Hausarztpraxis, außerdem bei Fachärzten für Innere Medizin und für Lungenheilkunde, in den Gesundheitszentren der ÖGK, den Ambulatorien der BVAEB und im Gesundheitszentrum für Selbständige in Wien. Die Serviceline 0800 501 522 nennt Praxen in der Nähe.

Ist ein großes Blutbild bei der Gesundenuntersuchung dabei?

Nein. Vorgesehen ist nur das rote Blutbild, und das nur für Frauen als Test auf Blutarmut. Ein großes Blutbild als Wunschleistung kostet laut Tarif der Ärztekammer Salzburg 14 Euro.

Ist der PSA-Test bei der Gesundenuntersuchung kostenlos?

Ja, auf Wunsch. Nach Angaben der Sozialversicherung können Männer zwischen 50 und 69 Jahren ohne Beschwerden und ohne erhöhtes Risiko im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung einen PSA-Test machen, nach einem Gespräch über Vor- und Nachteile.

Dazu passt

  • Blutwerte für Longevity: welche zählen und was sie kosten

    Was die Vorsorgeuntersuchung misst, was ApoB, Lp(a), HbA1c und hs-CRP zusätzlich zeigen, Referenzwerte aus dem Gesundheitsportal und Privatpreise in Österreich.

  • Was ist Longevity?

    Bedeutung und Aussprache, Lebens- und Gesundheitsspanne in Österreich, die zwölf Hallmarks of Aging, Gene, und die Hebel mit den größten Effekten.

  • Was ist Biohacking?

    Was der Begriff meint, neun Biohacks mit Studie und Ergebnis, eine Reihenfolge für den Einstieg und die Grenze zur Selbstvermessung als Problem.

  • Diagnostik

    Blutwerte, Gesundenuntersuchung, HbA1c, Lipoprotein(a), CRP, Ferritin, biologisches Alter.

  • Training

    Zone 2, VO2max, Krafttraining ab 50, Griffkraft.