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Kälte und Wärme

Rotlichttherapie: was belegt ist und was nicht

Von Martin Höllinger· Stand · Lesezeit 8 Minuten

Rotlichttherapie, in der Forschung Photobiomodulation genannt, bestrahlt die Haut mit rotem oder nahinfrarotem Licht, ohne sie zu erwärmen. Eine Zusammenschau von 15 Metaanalysen mit 204 kontrollierten Studien und über 9.000 Teilnehmern fand 2025 für 12 von 35 untersuchten Endpunkten eine Wirkung. Belege von mäßiger Sicherheit gab es für fünf: Schmerzen beim Zungenbrennen, Beeinträchtigung bei Kniearthrose, Erschöpfung bei Fibromyalgie, Haardichte bei erblichem Haarausfall und kognitive Funktion.

Für die Haut, den häufigsten Kaufgrund einer Rotlichtmaske, gibt es eine Studie mit 136 Freiwilligen: Nach 30 Sitzungen waren Hautrauheit und Kollagendichte besser als in der Kontrollgruppe. Die Kontrollgruppe wurde allerdings nicht per Los gebildet, und bezahlt hat die Studie eine Firma, aus deren Belegschaft die meisten Kontrollpersonen stammten. Bei Akne bewertet die Cochrane-Übersicht die Belege für Lichttherapien als unzureichend. Für die meisten übrigen untersuchten Endpunkte ist die Beweislage niedrig oder sehr niedrig.

Was Photobiomodulation ist

Der Fachbegriff beschreibt die Behandlung mit Licht geringer Leistung aus Lasern oder Leuchtdioden. Anders als bei einer Wärmelampe soll nicht die Temperatur wirken, sondern das Licht selbst. Wunsch et al. sprechen von nicht thermischer Photobiomodulation.

Das unterscheidet die Methode von der Infrarotkabine, die den Körper erwärmt.

Verwendet werden rotes Licht und nahes Infrarot. In den hier zitierten Studien reichen die Wellenlängen von 611 bis 950 Nanometern.

Die Gesamtschau

Son et al., Systematic Reviews 2025, haben 15 Metaanalysen kontrollierter Studien zusammengefasst und jede Aussage nach Sicherheit bewertet.

Anwendung Endpunkt Sicherheit der Belege
Zungenbrennen weniger Schmerz mäßig
Kniearthrose geringere Beeinträchtigung mäßig
Fibromyalgie weniger Erschöpfung mäßig
Erblicher Haarausfall höhere Haardichte mäßig
Kognitive Funktion Verbesserung mäßig
Die meisten übrigen der 35 Endpunkte niedrig oder sehr niedrig

Die Autoren fanden bei einigen Endpunkten Anzeichen dafür, dass ungünstige Studien seltener veröffentlicht wurden. Sie fordern bessere Studien und vor allem einheitliche Protokolle: Wellenlänge, Leistung, Dauer und Abstand unterscheiden sich von Studie zu Studie stark.

Haut

Für die Haut gibt es eine Studie mit größerer Teilnehmerzahl: Wunsch und Matuschka, Photomedicine and Laser Surgery 2014, mit 136 Freiwilligen. 113 wurden per Los auf vier Behandlungsgruppen verteilt und zweimal pro Woche bestrahlt. Die 23 Kontrollpersonen kamen nicht aus dieser Verlosung: Sie wurden nach Angabe der Autoren überwiegend unter den Beschäftigten der JK-Firmengruppe angeworben, aus der auch das Geld für die Studie kam. Verwendet wurden Geräte für große Flächen und den ganzen Körper, mit rotem Licht von 611 bis 650 Nanometern oder einem breiteren Spektrum von 570 bis 850 Nanometern.

Nach 30 Sitzungen:

  • Hautgefühl und Hautbild waren nach Einschätzung der Behandelten besser als zu Beginn. Die Kontrollgruppe wurde dazu nicht befragt.
  • Die Hautrauheit, mit einem Messverfahren erfasst, hatte gegenüber der Kontrollgruppe abgenommen.
  • Die Kollagendichte im Ultraschall hatte gegenüber der Kontrollgruppe zugenommen.
  • Drei verblindete Gutachter verglichen Fotos vom Anfang und vom Ende und sahen bei den Behandelten weniger feine Linien und Falten.
  • Das breitere Spektrum brachte keinen Vorteil gegenüber dem reinen Rotlicht.

Drei Einschränkungen gehören zu diesem Ergebnis:

  • Keine echte Zufallskontrolle. Verlost wurde nur zwischen den Behandlungsgruppen. Die Kontrollgruppe war anders zusammengesetzt und hatte schon zu Beginn eine etwas höhere Kollagendichte und eine geringere Hautrauheit.
  • Keine Scheinbestrahlung. Die Teilnehmer wussten, ob sie behandelt wurden. Ein Teil der Verbesserung im eigenen Urteil kann Erwartung sein.
  • Finanzierung. Die Studie wurde vollständig von der JK-Holding GmbH bezahlt. Der zweite Autor gibt als Arbeitgeber die JK-International GmbH am selben Ort an. Der Studienleiter wurde nach eigener Angabe vom Geldgeber beauftragt und bezahlt.

Die Arbeit zeigt damit, dass ein Effekt möglich ist. Ein Beleg von der Stärke einer unabhängigen, vollständig randomisierten Studie ist sie nicht.

Für Rotlichtmasken gilt: Die Studie wurde mit großen Geräten und einer festgelegten Dosis durchgeführt. Ob eine Maske für zu Hause dieselbe Dosis auf die Haut bringt, hängt von ihrer Leistung ab.

Haare

Erblicher Haarausfall ist die Anwendung mit den konsistentesten Daten. Die Gesamtschau sieht hier Belege mäßiger Sicherheit für eine höhere Haardichte. Eine Metaanalyse von sieben kontrollierten Studien verglich Laserlicht plus Minoxidil mit Minoxidil allein. Mit dem Licht waren Haardichte und Haardurchmesser höher und die Patienten zufriedener; Nebenwirkungen waren nicht häufiger.

Muskeln und Sport

Vanin et al., Lasers in Medical Science 2018, haben 39 kontrollierte Studien mit 861 gesunden Teilnehmern gesichtet. Bestrahlung vor oder nach dem Training zeigte einen gewissen Vorteil bei der Zeit bis zur Erschöpfung, der Zahl der Wiederholungen, der Maximalkraft und dem Laktat. Die Qualität der Belege stufen die Autoren als sehr niedrig bis mäßig ein, wegen kleiner Studien und sehr unterschiedlicher Protokolle. Wirksam waren Wellenlängen von 655 bis 950 Nanometern.

Akne und Blaulicht

Für Lichttherapien bei Akne gibt es viele Studien und wenig Gewissheit. Die Cochrane-Übersicht umfasst 71 Studien mit 4.211 Teilnehmern, im Median 31 pro Studie. Ihr Fazit: Hochwertige Belege fehlen. Für die photodynamische Therapie mit rotem oder blauem Licht, bei der zusätzlich eine lichtempfindliche Substanz aufgetragen wird, ist der Nutzen bei mittelschwerer bis schwerer Akne unsicher. Gelbes Licht und Infrarot zeigten gegenüber keiner Behandlung keinen klinisch bedeutsamen Effekt.

Weniger als die Hälfte der Studien prüfte das Ergebnis später als acht Wochen nach der letzten Behandlung.

Wo Rotlicht medizinischer Standard ist

Am besten abgesichert ist die Photobiomodulation in der Krebsmedizin. Die Leitlinie der internationalen Fachgesellschaften empfiehlt sie zur Vorbeugung von Entzündungen der Mundschleimhaut bei Stammzelltransplantation und bei Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich, jeweils mit genau festgelegten Protokollen. Sie betont, dass alle Einstellungen des gewählten Protokolls eingehalten werden müssen.

Das zeigt, worauf es ankommt: Wo Rotlicht nachweislich wirkt, sind Wellenlänge, Dosis und Dauer exakt definiert.

Studienlage

Ergebnis Wer und wie viele Vergleich Dauer Gemessen Studientyp Quelle
Wirkung bei 12 von 35 Endpunkten; mäßige Sicherheit bei fünf: Schmerz beim Zungenbrennen (standardisierte Differenz minus 0,92; minus 1,38 bis minus 0,46), Behinderung bei Kniearthrose (0,65; 0,14 bis 1,15), Erschöpfung bei Fibromyalgie (1,25; 0,63 bis 1,87), Haardichte bei erblichem Haarausfall (1,32; 1,00 bis 1,63), Denkleistung (0,49; 0,14 bis 0,84) 15 Metaanalysen mit 204 randomisierten Studien und über 9.000 Personen, 15 Krankheitsbilder Lichtbehandlung gegen die Vergleichsgruppen der Einzelstudien unterschiedlich 35 Endpunkte von Schmerz bis Haardichte Übersicht über Metaanalysen; für die meisten Endpunkte niedrige oder sehr niedrige Sicherheit Son et al. 2025
Hautrauheit und Kollagendichte besser als in der Kontrollgruppe; Zahl in der Zusammenfassung nicht angegeben 136 Freiwillige, 113 in vier Behandlungsgruppen und 23 Kontrollpersonen rotes Licht von 611 bis 650 oder breiteres Spektrum von 570 bis 850 Nanometern gegen keine Behandlung, ohne Scheinbehandlung 30 Sitzungen, zweimal pro Woche Hautprofil, Kollagendichte im Ultraschall, verblindet bewertete Fotos, Zufriedenheit Kontrollgruppe nicht per Los zugeteilt; von einem Unternehmen finanziert Wunsch und Matuschka 2014
Haardichte mit Laser zusätzlich höher (mittlere Differenz 6,62; 2,04 bis 11,20; Einheit in der Zusammenfassung nicht genannt); Zufriedenheit häufiger (1,71-fach; 1,23 bis 2,38); Nebenwirkungen gleich häufig 7 randomisierte Studien bei erblichem Haarausfall; Teilnehmerzahl in der Zusammenfassung nicht angegeben Laserlicht plus Minoxidil auf der Kopfhaut gegen Minoxidil allein unterschiedlich Haardichte, Haardurchmesser, Zufriedenheit Metaanalyse randomisierter Studien Mawu et al. 2025
Gewisser Vorteil bei Zeit bis zur Erschöpfung, Wiederholungszahl, Drehmoment und Laktat; Zahl in der Zusammenfassung nicht angegeben 39 Studien mit 861 gesunden Personen, 28 davon in der gemeinsamen Auswertung Laser oder Leuchtdioden gegen Scheinbehandlung meist einzelne Belastungstests Muskelleistung und Ermüdung Metaanalyse randomisierter Studien; Qualität der Belege sehr niedrig bis mäßig Vanin et al. 2018
Akne: keine hochwertigen Belege. Rotlicht mit lichtempfindlicher Creme senkte entzündete Stellen nicht stärker als Rotlicht mit Scheincreme (Differenz minus 2,85; minus 7,51 bis 1,81; 3 Studien, 360 Personen) 71 Studien mit 4.211 Personen, meist leichte bis mittelschwere Akne, im Mittel 20 bis 30 Jahre Lichtbehandlungen gegen Scheinbehandlung, keine Behandlung oder Cremes 1 bis 112 Sitzungen Einschätzung der Betroffenen, Zahl der Hautveränderungen, Nebenwirkungen Cochrane-Review; zwei Drittel der Studien von der Industrie finanziert Barbaric et al. 2016
Empfohlen zur Vorbeugung von Mundschleimhautentzündung bei Stammzelltransplantation und bei Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich; für die Behandlung einer bestehenden Entzündung keine Empfehlung möglich Krebspatienten; entfällt festgelegte Bestrahlungsprotokolle entfällt Mundschleimhautentzündung und Schmerz Leitlinie der Fachgesellschaften MASCC und ISOO auf Basis einer systematischen Übersicht Zadik et al. 2019

In Klammern steht, wo angegeben, das 95-%-Konfidenzintervall.

Österreich

Studios: Rotlichtanwendungen werden in Österreich meist im Paket mit Kälte angeboten. Ein Studio mit Standorten in Wien, Salzburg und Linz verkauft fünf Kälte- und fünf Rotlichtanwendungen um 299 Euro (Stand Oktober 2026). Mehr dazu unter Kältekammer.

Häufige Fragen

Was bringt Rotlichttherapie?

Mäßig gut belegt sind Wirkungen bei erblichem Haarausfall, Kniearthrose, Fibromyalgie und Zungenbrennen. In der Krebsmedizin wird sie zur Vorbeugung von Entzündungen der Mundschleimhaut empfohlen. Für die Haut gibt es eine positive Studie mit methodischen Schwächen. Für die meisten anderen Anwendungen ist die Beweislage schwach oder sehr schwach.

Hilft eine Rotlichtmaske gegen Falten?

In einer Studie mit 136 Freiwilligen verbesserten 30 Sitzungen mit rotem Licht von 611 bis 650 Nanometern, zweimal pro Woche, Hautrauheit und die im Ultraschall gemessene Kollagendichte gegenüber einer unbehandelten Kontrollgruppe. Die 23 Kontrollpersonen wurden nicht per Los zugeteilt, und die Studie war von einem Unternehmen finanziert. Sie nutzte Geräte für große Flächen, keine Maske. Auf Masken lässt sich das Ergebnis nur übertragen, wenn sie eine vergleichbare Dosis abgeben.

Welche Wellenlänge hat Rotlicht?

In der Hautstudie wurden 611 bis 650 Nanometer verwendet, ein breiteres Spektrum von 570 bis 850 Nanometern brachte keinen Vorteil. In den Studien zur Muskulatur lagen die wirksamen Wellenlängen zwischen 655 und 950 Nanometern, also im roten und nahinfraroten Bereich.

Hilft Rotlicht bei Haarausfall?

Bei erblichem Haarausfall ja: Die Haardichte nahm in den zusammengefassten kontrollierten Studien zu, mit Belegen von mäßiger Sicherheit. Zusätzlich zu Minoxidil angewendet, erhöhte Laserlicht in sieben Studien Haardichte und Haardurchmesser stärker als Minoxidil allein.

Hilft Blaulicht gegen Akne?

Die Cochrane-Übersicht über 71 Studien mit 4.211 Teilnehmern findet keine hochwertigen Belege für Lichttherapien bei Akne. Für die photodynamische Therapie mit rotem oder blauem Licht bei mittelschwerer bis schwerer Akne ist der Nutzen unsicher. Die Studien waren klein und sehr unterschiedlich angelegt.

Ist eine Infrarotkabine dasselbe wie Rotlichttherapie?

Nein. Die Infrarotkabine erwärmt den Körper und zählt zu den Wärmeanwendungen. Rotlichttherapie arbeitet mit geringer Leistung ohne nennenswerte Erwärmung und zielt auf eine direkte Wirkung des Lichts auf die Zellen.

Ist Rotlicht gefährlich?

In der Hautstudie und in den Studien zum Haarausfall traten keine nennenswerten Nebenwirkungen auf. Bei Lichttherapien gegen Akne wurden Blasen berichtet, allerdings bei intensiv gepulstem Licht, Infrarot und photodynamischer Therapie. Die Cochrane-Autoren halten die Datenlage zu Nebenwirkungen für sehr unsicher.

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